Patrick Brion (Kahla) forscht seit Jahrzehnten vor Ort, in Archiven und im Kontakt mit Betroffenen und deren Angehörigen zur „Geschichte des Betriebs- und DP-Krankenhauses in Hummelshain 1944/45“. Über seine jüngsten Erkenntnisse zu diesem Thema berichtet er am Freitag, dem 20. November, um 19.00 Uhr im Kahlaer Rathaussaal.
Im Mittelpunkt des Vortrags steht das Betriebskrankenhaus der REIMAHG und das nachfolgende DP-Krankenhaus im Jagdschloss Hummelshain in ihren geschichtlichen wie medizinischen Facetten. Vor allem geht es um Menschen, Patienten und ihre Geschichten, um Krankheiten und ihre Ursachen, um das medizinische Personal vom Arzt bis zum Pflegepersonal, die Beschäftigten, die Logistik zur Versorgung und Behandlung sowie um die Vielzahl der Probleme und der Versuche, den Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten.
1944 war am Walpersberg bei Kahla mit der REIMAHG ein riesiges unterirdisches Rüstungsprojekt entstanden. Tausende Menschen aus zahlreichen europäischen Ländern wurden hierher zur Zwangsarbeit verschleppt. Die wachsende Zahl der Arbeitskräfte und deren katastrophale Lebens- und Arbeitsbedingungen bedingte den rasanten Anstieg von Erkrankungen. Aus dieser Situation heraus zum Handeln gezwungen, ließ die Werksleitung im Neuen Schloss in Hummelshain ein Betriebskrankenhaus einrichten, das Ende November 1944 die ersten Patienten aufnahm.
Mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im April 1945 wurde aus dem Betriebskrankenhaus der REIMAHG ein DP-Krankenhaus („Displaced Persons“). Die Situation änderte sich damit grundlegend für Personal und Patienten. Nach Recherchen des Fördervereins „Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg“ wurden hier insgesamt 1.088 Patienten behandelt, darunter 980 Ausländer; 191 Personen verstarben im Krankenhaus.
Die Eintrittskosten des Vortrags werden dem Verein „Museumsclub“ gespendet zum Erhalt des Tante Irma Museums Hummelshain. Damit möchten Patrick Brion und sein Verein dazu beitragen, dieses besondere Museum zu erhalten und weiterhin einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.